Alleine der Name dieses Ortes zieht den Betrachter in den Bann. Der mit über 700 Jahren mit Abstand älteste Ort im Norden der Insel Usedom (www.usedom-exclusiv.de), das kleine Fischerdorf Peenemünde, wurde zweimal zum Schauplatz von Weltgeschichte. 1630 landeten hier die Truppen des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf, um entscheidend in den Dreißigjährigen Krieg einzugreifen und die Region für fast 200 Jahre unter schwedische Oberhoheit zu bringen.
Mehr als 300 Jahre später wurde in der so genannten Heeresversuchsanstalt Peenemünde der Grundstein dafür gelegt, dass am 3. Oktober 1942 von hier aus die erste Rakete über 90 Kilometer hoch flog und damit den Weltraum erreichte – technische Grundlage für alle späteren Raumflüge der Menschen. Allerdings waren es ausschließlich militärische Ziele des Nationalsozialismus in Deutschland, die zu diesem Erfolg führten.

In diesem Konflikt liegt die Wurzel einer Diskussion, die seither die Öffentlichkeit in regelmäßigen Abständen spaltet und polarisiert. War Peenemünde die Wiege der Raumfahrt oder Ort von Kriegsverbrechen – oder beides? Wie geht man schließlich mit den Antworten auf diese Fragen um? Seit der fast vollständigen und planmäßigen Zerstörung der alten Anlagen nach 1945 wird versucht, eine offene Diskussion zu dieser Thematik – bis 1990 zunächst zu verhindern – und danach auf den Weg zu bringen. Es gab natürlich auch nach 1945 Forschung zur Vergangenheit Peenemündes zwischen 1936 und 1945, nicht zuletzt in den NVA-Dienststellen, aber, wie ein Augenzeuge berichtete, offiziell unter der Überschrift „Die Geschichte des antifaschistischen Widerstandskampfes“.

Im Jahr 2000 wurde die seit 1990 in der kleinen Bunkerwarte des Kraftwerkes durch ehrenamtliche Arbeit entstandene Ausstellung zur Geschichte der Heeresversuchsanstalt professionalisiert und ins Kraftwerk selbst verlagert, und 2010 schließlich das Museum aus Gemeindebesitz in mehrheitlichen Besitz des Landes Mecklenburg-Vorpommern überführt (www.peenemuende.de). Parallel dazu bemüht sich seit 1990 ein Förderverein um die stärkere Berücksichtigung der technischen Geschichte Peenemündes. Im Zusammenhang mit der geplanten „Renaturierung“ großer Flächen der ehemaligen Heeresversuchsanstalt und dem damit verbundenen Rückbau des Peenestromdeiches (www.kein-deichrueckbau-usedom.de) sorgt ein Gutachten über die Bedeutung Peenemündes als Denkmal für neues Aufsehen (Welterbediskussion). Die Diskussion über den „Mythos Peenemünde“ wird auch in Zukunft für eine lebendige Auseinandersetzung zu diesem Thema, den Zusammenhängen in der menschlichen Gesellschaft, sorgen.

Zu Beginn des Jahres 2011 ist der Inhalt eines Gutachtens an die Öffentlichkeit gedrungen, welches dem Standort Peenemünde gute Chancen für den Status als Weltkultuerbe zugesteht. Die Wogen in der daraus entstandenen Diskussion...