Im Rahmen des so genannten Interkosmos-Programms flogen zwischen 1978 und 1988 insgesamt 13 Bürger des Ostblocks, aber auch aus Frankreich, Afghanistan, Indien und Syrien mit Sojus-Raketen von Baikonur aus in den Weltraum. Die einwöchigen Flüge wurden von den Entsenderländern mitfinanziert, dafür konnten sie eigene Experimente durchführen.
Der DDR-Fliegeroffizier Sigmund Jähn (geb. 1937) war der dritte in der Reihe nach dem Tschechen Remek und dem Polen Hermaszewski (März bzw. Juni 1978). Der Weltraumflug von Sigmund Jähn ist in allgemeiner und für mich in persönlicher Hinsicht bemerkenswert. Am 26. August 1978 startete Sigmund Jähn zusammen mit dem erfahrenen sowjetischen Kosmonauten Valeri Bykowski, der bereits zwei Raumflüge absolviert hatte, im Raumschiff Sojus 31 zu seinem einwöchigen Flug. Ich hörte davon im Kofferradio, das neben mir stand, als ich mein Fahrrad vor dem Studentenwohnheim in Greifswald reparierte. Meine Frau war gerade zur Entbindung in der Greifswalder Frauenklinik, und es klappte auch: unser Sohn Thomas wurde an diesem Tag geboren, kurz nach dem Start des Raumschiffs.
Schon die ersten Medienberichte darüber brachten eine kleine Sensation mit sich, die Parole: „Der erste Deutsche im Weltall, ein Bürger der DDR!“ Das Prädikat deutsch war davor in der DDR lange aus dem Sprachgebrauch gestrichen und es war für alle Beobachter etwas Neues. Eine andere Tatsache in Verbindung mit diesem Flug beruht auf eigenen Vermutungen, die aber wohl begründet sind, obwohl ich sie noch nirgends bestätigt gefunden habe. Der damalige DDR-Staats- und Parteichef Honecker hat am 25. August Geburtstag, also einen Tag vor dem Flug. Aufgrund seiner persönlichen Eitelkeit und der schon damals sichtbaren Selbstüberschätzung vermute ich, dass der Start aus eben diesem Grunde am 25. August geplant war, aber wohl verschoben werden musste.
Schließlich gab es noch eine letzte Verbindung. Als junges Schulkind konnte mein Sohn dann Sigmund Jähn anlässlich von dessen Besuch an der Schule die Hand schütteln und ihm von seiner besonderen Beziehung zum Tag des Raumflugs erzählen. Sigmund Jähn ist ein bescheidener Mensch geblieben, dem die Instrumentalisierung für die staatliche Propaganda sichtlich unangenehm war. Er ist seit 1990 im russischen Kosmonautenausbildungszentrum bei Moskau als Berater für das Astronautenzentrum und seit 1993 auch für die ESA tätig.